Minimalinvasive Tumortherapie

PD Dr. Schmid mit zwei Mitarbeiterinnen

In den letzten Jahren haben sich minimal-invasive Behandlungen als ergänzendes Werkzeug zur Bekämpfung von Tumorerkrankungen zunehmend etabliert. Sie bilden dabei eine sinnvolle Ergänzung zu den bewährten Verfahren der Operation, der Chemotherapie und der Strahlentherapie.

Unter minimal-invasiver Tumortherapie im engeren Sinne verstehen wir folgende Verfahren:

Gefäßverschließendes Verfahren (Embolisation)

Bei diesem Verfahren werden die Gefäße verschlossen, die dem Tumor Blut, und damit auch Sauerstoff und Nährstoffe zuführen. Diese Therapie wird häufig bei Lebertumoren angewendet; je nachdem, wie die Gefäßversorgung eines Tumors ist, kann allerdings im Einzelfall auch an anderen Stellen dieses Verfahren eingesetzt werden. Dabei wird meist über die Leiste ein Katheter in die Arterien eingeführt bis zu der Stelle, an der die Gefäße für das betroffene Organ (z.B. Leber) abgehen. Über diesen Katheter wird dann ein noch kleinerer Katheter (Mikrokatheter) in das Organ bis kurz vor den Tumor eingeführt. Anschließend werden gefäßverschließende Substanzen - meist kleine rundliche Partikel mit einem Durchmesser von maximal einem Millimeter - in den Tumor eingeschwemmt, so dass seine Blutversorgung zusammenbricht. Dieses Verfahren wird Transarterielle Embolisation (kurz TAE) genannt, da die Gefäßverstopfung über die Arterien (also die sauerstofftragenden Gefäße) erfolgt.

Um die Wirksamkeit einer solchen Embolisation zu erhöhen, ist man in letzter Zeit dazu übergegangen, die Partikel, die man in den Tumor einschwemmt, mit einem Chemotherapeutikum zu bestücken. Dies hat den Vorteil, dass im Tumor eine hohe Konzentration dieser Chemotherapie erreicht werden kann, da die Partikel ja im Tumor gefangen bleiben und dort ihre Wirkung entfalten, während der restliche Körper nur eine geringe Menge der Chemotherapie abbekommt. So werden die gefürchteten Nebenwirkungen einer Chemotherapie auf den Körper bzw. auf gesunde Zellen verringert, während man gleichzeitig eine höhere Wirksamkeit im Tumorgewebe erreicht. Dieses Verfahren nennt sich Transarterielle Chemoembolisation, abgekürzt TACE.

Eine weitere Form der Embolisation ist die sogenannte Selektive Interne Radiotherapie, kurz SIRT. Sie ist aufwändiger, da kleine radioaktive Partikel über einen Katheter eingeschwemmt werden. Vor der Einschwemmung der Partikel müssen daher Gefäße zu anderen Organen, die eventuell gefährdet werden könnten, geschützt werden. Die klinischen Ergebnisse dieser Behandlung auch bei fortgeschrittenen Tumoren/Metastasen der Leber sind gut.

In manchen Fällen gelingt es, die Tumore durch die gefäßverschließenden Verfahren komplett zu zerstören. Häufiger ist es jedoch mehr ein Eindämmen und Zurückdrängen des Tumors oder der Metastasen, so dass es sich quasi um ein „in Schach halten“ handelt. Dies kann insbesondere bei älteren Patienten, bei denen eine Operation nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, eine Option sein. In einigen Fällen gelingt es auch, den Tumor so lange zurückzudrängen, bis eine Lebertransplantation erfolgen kann.

Direkt tumorzerstörende Verfahren

Hier wird zwischen den tumorzerstörenden Verfahren durch Hitze (Mikrowellenablation oder Radiofrequenzablation) bzw. durch Kälte (Kryotherapie) unterschieden. Beide Verfahren haben gemeinsam, dass, meist mit Hilfe eines radiologischen Geräts, eine Nadel in den Kern eines klar abgrenzbaren Tumors eingeführt wird. Die Nadel ist mit einem Gerät verbunden, das dafür sorgt, dass an der Nadelspitze Hitze oder Kälte entsteht, die den Tumor zerstört. Das abgetötete Gewebe bleibt im Körper und wird, ähnlich wie bei einer Verletzung, von den körpereigenen Mechanismen abgeräumt. Welches Verfahren bzw. welche Nadel gewählt wird, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Dazu zählen insbesondere die Art und Größe des Tumors, das Organ, in dem der Tumor entstanden ist sowie die Nachbarstrukturen und ihre Empfindlichkeit gegen Hitze und Kälte, die nicht geschädigt werden sollen.

Hitzeverfahren ("Mikrowelle" und Radiofrequenzablation)

Bei beiden Verfahren wird der Tumor durch Hitzeentwicklung an der Nadelspitze zerstört. Ein besonderes Kennzeichen der "Mikrowelle" ist, dass mit 100°C sehr hohe Temperaturen entstehen. Der Vorteil liegt darin, dass der Tumor schneller und effektiver zerstört werden kann. So dauert ein Durchgang meist nur zwischen vier und sechs Minuten. Anschließend kann die Nadel umgesetzt werden. Problematisch ist allerdings, dass die Nachbarstrukturen einem höheren Risiko durch Hitze ausgesetzt sind und man das Ausmaß der Tumorzerstörung nicht genau abschätzen kann. Die Mikrowelle eignet sich dadurch besonders gut für Tumore oder Metastasen in der Leber.

Demgegenüber erreicht die Radiofrequenzablation nur maximal 70°C.  Daher wird es insbesondere für Tumore im Randbereich oder an der Oberfläche verwendet. Ein weiterer Vorteil ist, dass an der Spitze der Nadel ein kleiner Schirm ausgefahren wird, dessen Größe zwischen einem und fünf Zentimeter beträgt. Die Hitzeentwicklung findet somit fast nur innerhalb des Schirms statt, so dass die Größe der Destruktion genau vorhergesagt werden kann und man präziser im Randbereich arbeiten kann. Im Gegensatz zur "Mikrowelle" ist jedoch der Zeitaufwand etwas höher. Die Radiofrequenzablation ist fast überall einsetzbar, wobei die Leber, die Lunge und die Nieren besonders geeignet sind, zum Teil auch der Knochen.

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